DGB-Index "Gute Arbeit"

Aus GuteArbeit

Wechseln zu: Navigation, Suche

Für die Gewerkschaften steht die Humanisierung der Arbeitswelt seit jeher auf der politischen Agenda. Auf dem DGB-Bundeskongress 2006 wurde das Thema „Gute Arbeit“ als umfassendes Leitbild in der gewerkschaftlichen Beschlusslage verankert. Um das Thema einer menschengerechten und innovativen Arbeitsgestaltung wieder stärker in der gewerkschaftlichen Betriebs- und Tarifpolitik zu gewichten, sollte die gewerkschaftliche Kompetenz auf diesem Gebiet ausgebaut und gebündelt werden. In einem gemeinsamen Kongress-Antrag von IG Metall und ver.di fordern sie vom DGB und seinen Mitgliedsgewerkschaften, "ein Handlungskonzept und geeignete Instrumente zu entwickeln, mit dem eine breite gesellschaftliche Debatte zum Grundwert Gute Arbeit initiiert und damit gleichzeitig die vielfachen Einzelkämpfe im Sinne eines gemeinsamen Handlungsrahmens gestärkt werden". [1]

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Motive und methodische Anforderungen

Bereits im Vorfeld des Kongressbeschlusses zu „Gute Arbeit“ wurde im Rahmen der DGB-Initiative "Trendwende" das Internationale Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES) beauftragt, ein wissenschaftlich fundiertes Konzept für eine indexbasierte Berichterstattung zur Arbeitsqualität in deutschen Unternehmen aus Beschäftigtensicht zu entwickeln. Kommunikationsstrategisches Vorbild dafür waren eine Reihe von Wirtschaftsindizes, deren regelmäßige Publikation große öffentliche und politische Aufmerksamkeit erfährt und wirtschaftspolitische Handlungsnotwendigkeiten offenlegt. Eine sämtliche Branchen umfassende Berichterstattung zur Entwicklung der Qualität von Arbeit mit daraus ableitbaren tarif- und arbeitspolitischen Handlungserfordernissen existierte bislang nicht. Ebenso wenig verfügten die betrieblichen Interessenvertreter bis dato über ein geeignetes Instrumentarium, mit denen sie die Arbeitsqualität aus Beschäftigtensicht wissenschaftlich fundiert und repräsentativ in ihren Betrieben erheben und damit Probleme und Potentiale für die Arbeitsgestaltung und die Verbesserung der Arbeitsqualität auf der betrieblichen Ebene identifizieren konnten.

Eine indexbasierte Berichterstattung zur Arbeitsqualität hatte daher zweierlei Ziele zu berücksichtigen: Zum einen sollte diese geeignet sein, "die gewerkschaftspolitische Öffentlichkeitsarbeit zum Themenbereich 'Arbeitsqualität aus Sicht der Beschäftigten' zu unterstützen und zu fundieren" [2]. Zum anderen war das formulierte Ziel, "ein geeignetes betriebliches Kommunikations- und Interventionsinstrument zu entwickeln, das den Betriebs- und Personalräten ermöglicht, die wahrgenommene betriebliche Arbeitsqualität handlungsorientiert zu begutachten"[2].

Konzept

Das im Jahresverlauf 2006 entwickelte Konzept eines DGB-Index Gute Arbeit basiert im Kern auf einer empirischen arbeitswissenschaftlichen Untersuchung "Was ist gute Arbeit? Anforderungen aus der Sicht von Erwerbstätigen", die Anfang 2004 im Auftrag der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) gleichfalls von INIFES durchgeführt wurde. Diese Untersuchung hatte das Ziel, "durch einen Vergleich der Erfahrungen mit den aktuellen Arbeitsbedingungen und den Erwartungen bzw. den Wünschen an eine zukünftige Arbeitsgestaltung, Ansatzpunkte für ein neues Leitbild 'guter Arbeit' zu entwickeln. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen somit einerseits, wodurch gute Arbeit aus der Sicht von Erwerbstätigen charakterisiert ist, und andererseits, in welchem Maße die heutige Arbeitswelt – wiederum aus der Perspektive der Erwerbstätigen – die Vorstellungen von guter Arbeit erfüllt" [3]. Um die hier eingesetzte umfassende empirische Erhebungsmethodik für eine indexbasierte Berichterstattung anzupassen, wurde der Fragebogen verdichtet und in einer umfangreichen Pilotstudie in 10 Betrieben im Organisationsbereich von IG Metall, ver.di und IG BCE getestet.

Als Ergebnis dieses Entwicklungsprozesses entstand ein differenziertes Indexsystem, mit dem die Qualität von Arbeit in drei maßgeblichen Bereichen abgebildet werden kann. Der erste dieser Teilbereiche befasst sich mit den für die Beschäftigten verfügbaren Ressourcen, um in ausreichendem Maße auf die individuelle Arbeitsgestaltung Einfluss nehmen zu können und gleichzeitig aber auch über ausreichende persönliche und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten verfügen zu können. Der zweite die Arbeitsqualität maßgeblich beeinflussende Bereich sind körperliche oder psychische Anforderungen, die zu Belastungsmomenten für die Beschäftigten führen können. Der dritte Bereich beschäftigt sich mit der materiellen Absicherung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Form eines ausreichenden Einkommens und eines sicheren Arbeitsplatzes.

Der DGB-Index gute Arbeit erfasst die Arbeitsqualität in allen Teilbereichen anhand von insgesamt 15 Dimensionen, die auf Grundlage des aktuellen arbeitswissenschaftlichen Forschungsstands zu den Bedingungsfaktoren von Arbeitszufriedenheit und Arbeitsmotivation und den Erkenntnissen über eine menschengerechte und persönlichkeitsförderliche Arbeitsgestaltung ausgewählt und konzipiert wurden. Erhoben wird aber nicht nur die wahrgenommene Arbeitsqualität in den 15 Dimensionen, sondern auch die Anforderungen der Beschäftigten an die Qualität ihrer Arbeit, d.h. welchen Stellenwert die Befragten der jeweiligen Dimension im Hinblick auf ihren Beitrag zu einer möglichst hohen Arbeitsqualität beimessen. Somit wird im Rahmen der Berichterstattung zusätzlich sichtbar, wo Lücken zwischen der subjektiven Bedeutung einer Dimension und der wahrgenommenen Arbeitsqualität in dieser Dimension auftreten („Anspruchslücke“) und wo ein unmittelbarer (betrieblicher) Handlungsbedarf besteht, um die Arbeitsqualität zu verbessern. Insgesamt fließen 31 Fragen in die Ermittlung des Gesamtindex zur Arbeitsqualität ein.

Ermittlung des Wertes des DGB-Index

Aus den Antworten der Beschäftigten zur Arbeitsqualität in den jeweiligen Dimensionen ergeben sich Index-Werte zwischen 0 und 100 Punkten. Werte zwischen 80 und 100 Punkte kennzeichnen eine „Gute Arbeit“, die in hohem Maße entwicklungs- und lernförderlich sowie belastungsarm ist. „Schlechte Arbeit“ mit Indexwerten zwischen 0 und 50 ist dagegen durch hohe Belastungen gekennzeichnet, die Beschäftigten verfügen hier nur über geringe oder keinerlei entwicklungs- und lernförderliche Ressourcen. Die zwischen diesen beiden Polen liegende Qualität von Arbeit wird mit einem Indexwert zwischen 50 und 80 Punkten als mittelmäßig eingestuft. Hier werden die Arbeitsbedingungen zwar eher selten als belastend wahrgenommen, es bestehen aber auch kaum Entwicklungs- und Einflussmöglichkeiten bei der Arbeit.

Zusätzlich zur Ermittlung der durchschnittlichen Arbeitsqualität aus Sicht der Beschäftigten gibt der DGB-Index Gute Arbeit Auskunft darüber, wie hoch der Anteil der Beschäftigten ist, die ihre Arbeitsbedingungen insgesamt als gut, mittelmäßig oder schlecht einstufen. Der DGB-Index Gute Arbeit erhebt zudem weitere Aspekte der Arbeitssituation und fragt nach den emotionalen Aspekten von Arbeit (z.B. Begeisterung und Frustration), der Arbeitszufriedenheit, der Betriebsbindung, der Einschätzung bzgl. der längerfristigen Arbeitsfähigkeiten sowie zu den Chancen, die eigene Arbeitssituation zu verbessern. Zudem werden Schwerpunktfragen zu jährlich wechselnden Themen gestellt. In der Erhebung des Jahres 2007 standen hier Fragen zur Work-Life-Balance im Vordergrund, in der Erhebung zum DGB-Index 2008 zusätzliche Fragen zum Thema berufliche Weiterbildung und Gesundheitsschutz.

Zusammenfassend dargestellt, gibt der DGB-Index Gute Arbeit Auskunft über

  • den Anspruch der Beschäftigten an ihre Arbeitsqualität in 15 Dimensionen,
  • die von den Beschäftigten wahrgenommene Arbeitsqualität in den verschiedenen Dimensionen,
  • die Verbreitung von guter, mittelmäßiger und schlechter Arbeit unter den Beschäftigten,
  • die Auswirkungen der Arbeitsqualität auf verschiedene individuelle Aspekte der jeweiligen Arbeitssituation.

Ergebnisse

Für den DGB-Index Gute Arbeit werden repräsentativ ausgewählte Beschäftigte von TNS Infratest Sozialforschung (München) schriftlich befragt.

Reports

Die Ergebnisse werden jährlich in den "Reports" veröffentlicht.

Bisher liegen Reports vor für die Jahre 2007, 2008 und 2009.

Zu den Ergebnissen für die einzelnen Dimensionen in diesen Reports s. die entsprechenden Abschnitte in den Artikeln über diese Dimensionen:

Teilindex "Ressourcen"
Teilindex "Belastungen"
Teilindex "Einkommen und Sicherheit"

Teilauswertungen nach Branchen, Regionen und Beschäftigtengruppen

Aufgrund der Repräsentativität der Erhebung mit knapp 7.000 Fallzahlen erlaubt der Datensatz auch Teilauswertungen nach Branchen, Regionen oder Beschäftigtengruppen. Damit werden interessante Analysen der Arbeitsqualität nach unterschiedlichen Merkmalen und die Identifizierung spezifischer Handlungserfordernisse ermöglicht. Bislang existieren bereits Sonderauswertungen des DGB-Index 2007 zur

  • Mobilen Arbeit
  • Vereinbarkeit von beruflichem und privatem Leben
  • Arbeitsqualität aus Sicht von Auszubildenden und Jungen Beschäftigten
  • Arbeit im Kontext von Einkommen und Sicherheit
  • Arbeitsfähigkeit bis zur Rente
  • Qualifizierung und Weiterbildung

sowie

  • verschiedene regionale Auswertungen nach Bundesländern.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. DGB-Bundeskongress 2006, G001
  2. 2,0 2,1 Tatjana Fuchs 2006b, S. 4
  3. Tatjana Fuchs 2006a, S. 13

Quellen und weiterführende Literatur

  • Tatjana Fuchs 2006a: Tatjana Fuchs, Was ist gute Arbeit? Anforderungen aus der Sicht von Beschäftigten, Forschungsbericht an die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Stadtbergen 2006, 269 S. (PDF-Datei, 4,1 MB)
  • Tatjana Fuchs 2006b: Tatjana Fuchs, DGB-Index Gute Arbeit. Arbeitsqualität aus Sicht von Beschäftigten, Konstruktion und Darstellung einer indexbasierten Berichterstattung für den DGB, Stadtbergen 2006, 43 S. (PDF-Datei, 0,8 MB)
  • Report 2007: Servicestelle DGB-Index Gute Arbeit (V.i.S.d.P.), DGB-Index Gute Arbeit - Der Report 2007, Berlin 2007, 36 S., PDF-Datei, 791 KB
  • Report 2008: DGB-Index Gute Arbeit GmbH (Hrsg.), DGB-Index Gute Arbeit - Der Report 2008, Berlin 2008, 36 S., PDF-Datei, 1 MB
  • Report 2009: DGB-Index Gute Arbeit GmbH (Hrsg.), DGB-Index Gute Arbeit - Der Report 2009, Berlin 2009, 36 S., PDF-Datei, 1 MB

Weblinks