Europäischer Gewerkschaftsbund
Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB, englisch ETUC für European Trade Union Confederation) wurde 1973 gegründet. Er vertritt 82 nationale Gewerkschaftsbünde aus 36 Ländern und 12 europäische Branchenverbände mit insgesamt 60 Millionen Mitgliedern.
Der EGB koordiniert 39 interregionale Gewerkschaftsräte mit grenzüberschreitender Zusammenarbeit, davon 14 mit deutscher Beteiligung.
Als Vertreter der europäischen ArbeitnehmerInnen ist der EGB direkt an den europäischen Gesetzgebungsverfahren beteiligt. Er kann mit den europäischen Arbeitgeberverbänden Vereinbarungen abschließen. Auf Beschluss des Rats und des Europäischen Parlaments können diese Rechtsstatus erlangen.
Der EGB hat wichtige Richtlinien zu Arbeitnehmerrechten mitformuliert, unter anderem zur Teilzeitarbeit und zum Elternurlaub.[1]
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Geschichte
Die sektorübergreifende Organisation wurde am 9. Februar 1973 von 17 Gewerkschaftsverbänden aus 15 Staaten gegründet und vertrat rund 29 Millionen gewerkschaftlich organisierte Mitglieder. Es ist eine Nachfolgeorganisation des Europäischen Bundes freier Gewerkschaften in der EWG und des "Gewerkschaftskongresses" der EFTA-Staaten.
Der erste Präsident der ETUC war Victor Feather (Großbritannien), der von drei Vizepräsidenten unterstützt wurde, darunter Heinz Oskar Vetter vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Der erste Generalsekretär der ETUC war Theo Rasschaert (Belgien).
1974 wurden erste christliche Gewerkschaften und die erste früher kommunistische Gewerkschaft Mitglied. 1991 werden die Europäischen Gewerkschaftsverbände zu Vollmitgliedern; der EGB führt den Beobachterstatus ein, den zehn Bünde aus Osteuropa erhalten. 1995 werden erstmals Bünde aus Osteuropa als Vollmitglieder aufgenommen[2].
Aktuelle Situation
Dem EGB gehören (Stand: Mai 2008) 82 nationale Gewerkschaftsverbände aus 36 europäischen Staaten und 12 europäische Branchenverbände mit insgesamt 60 Millionen Mitgliedern an, drei Gewerkschaftsbünde haben Beobachterstatus (s.u.)
Präsident der ETUC ist seit Mai 2011 der Spanier Ignacio Fernández Toxo. Er folgt damit auf die Schwedin Wanja Lundby-Wedin von der Landsorganisationen i Sverige (LO), die die Position seit Mai 2007 innehatte. Generalsekretärin der ETUC ist seit Mai 2011 die Französin Bernadette Ségol. Stellvertretende Generalsekretäre sind Josef Niemiec und Patrick Itschert.[3]
Der EGB arbeitet mit gewerkschaftlichen Akteuren aus den mit der EU assoziierten Ländern und Regionen zusammen und kooperiert auch mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund. Der EGB ist im Rahmen des Paneuropäischen Regionalrats (PERR) auch im IGB vertreten. Der PERR wurde einem Beschluss des im November 2006 in Wien abgehaltenen IGB-Gründungskongresses folgend anlässlich der Gründungsversammlung vom 19. März 2007 in Rom offiziell aus der Taufe gehoben.[4]
11. Kongress (2007, Sevilla)
Der 11. EGB-Kongress (21. bis 24. Mai 2007 in Sevilla) nahm u.a. das "Sevilla-Manifest"[5] an. Danach plant der EGB, "in fünf zentralen Bereichen in die Offensive zu gehen":
- Für einen europäischen Arbeitsmarkt
- Für den sozialen Dialog, Tarifverhandlungen und Arbeitnehmerbeteiligung
- Für eine effektivere wirtschaftliche, soziale und ökologische Governance in Europa
- Für eine stärkere EU
- Für stärkere Gewerkschaften und einen stärkeren EGB
12. Kongress (2011, Athen)
Unter dem Motto "Mobilising for social Europe" fand der 12. EGB-Kongress vom 16. bis 19. Mai in Athen statt. Vier Tage debattierten 500 Delegierte aus 36 Mitgliedsländern über die Ausrichtung der europäischen Gewerkschaftspolitik für die nächsten vier Jahre. Die DGB-Delegation war mit 27 VertreterInnen vor Ort.
Im „Athener Manifest“[6] sind die wichtigsten Prioriäten zusammengefasst, mit denen sich die Gewerkschaften gegen die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise, gegen rigide Sparkonzepte und Beschäftigungsabbau stemmen.
So werden sich die europäischen Arbeitnehmerverbände aktiv für qualitatives Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung und ein belastungsfähiges europäisches Sozialmodell einsetzen. Sie fordern die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, die Harmonisierung der Besteuerungsgrundlagen und obligatorische Mindeststeuersätze für Unternehmen sowie die Auflage von EURO-Anleihen.
Der EGB fordert durchgreifende Regeln zur Kontrolle der Finanzmärkte und der privaten Ratingagenturen, die Schließung von Steuerparadiesen und die Unterbindung von überzogenen Managergehältern, zu Unrecht gewährten Bonuszahlungen und Abfindungen.[7]
Struktur und Repräsentanten
Kongress
Der Kongress ist das oberste Gremium des EGB. Er wird alle vier Jahre einberufen, das letzte Treffen war 2011 in Athen (s.o.). Der Kongress wählt neben den Mitgliedern des Exekutivkommitees auch den Präsidenten bzw. die Präsidentin. Desweiteren bestimmt er den/die GeneralsekretärIn und dessen/deren zwei StellvertreterInnen.
Seit der Gründung fanden die folgenden Kongresse statt:
- 2. Kongress 1976 in London
- 3. Kongress 1979 in München
- 4. Kongress 1981 in Den Haag
- 5. Kongress 1985 in Mailand
- 6. Kongress 1988 in Stockholm
- 7. Kongress 1991 in Luxemburg [8]
- 8. Kongress 1995 in Brüssel[9]
- 9. Kongress 1999 in Helsinki[10]
- 10. Kongress 2003 in Prag[11]
- 11. Kongress 2007 in Sevilla[12]
- 12. Kongress 2011 in Athen[13]
Exekutivkommittee
Das Kommittee trifft sich viermal im Jahr und besteht aus Vertretern der Mitgliedsorganisationen. Es entscheidet über Mandat und Zusammensetzung der Delegationen für den Europäischen Sozialdialog.
Steuerungskommittee
Das Steuerungskommittee ist dafür verantwortlich, dass die Entscheidungen des Exekutivkommitees umgesetzt werden. Dieses kleinste der EGB-Gremien trifft sich acht Mal pro Jahr. Es besteht aus 21 gewählten Mitgliedern des Exekutivkommittees.
Nationale Gewerkschaftsbünde und europäische Branchenverbände im EGB
nationale Gewerkschaftsbünde
- Andorra (USDA)
- Belgien (ACV-CSC - ABVV-FGTB - ACLVB-CGSLB)
- Bosnien und Herzegowina (CTUBiH *)
- Bulgarien (CITUB - PODKREPA)
- Dänemark (AC - FTF - LO)
- Deutschland (DGB)
- Estland (EAKL - TALO)
- Finnland (AKAVA - SAK - STTK)
- Frankreich (CFDT - CGT - CFTC - FO - UNSA)
- Griechenland (ADEDY - GSEE)
- Irland (ICTU)
- Island (ASI - BSRB)
- Italien (CGIL - CISL - UIL)
- Kroatien (SSSH)
- Lettland (LBAS)
- Liechtenstein (LANV)
- Litauen (LDF - LDS - LTUC)
- Luxemburg (CGT - LCGB)
- Mazedonien (FYROM) (CCM *)
- Malta (CMTU - GWU)
- Monaco (USM)
- Niederlande (CNV - FNV - MHP)
- Norwegen (LO - UNIO - YS)
- Österreich (ÖGB)
- Polen (NSZZ Solidarność - OPZZ)
- Portugal (CGTP-IN - UGT)
- Rumänien (BNS - CARTEL ALFA - CNSLR-FRATIA - CSDR)
- San Marino (CDLS - CSdL)
- Serbien (NEZAVISNOT *)
- Slowakei (KOZ-SR)
- Slowenien (ZSSS)
- Schweden (LO - SACO - TCO)
- Schweiz (TRAVAIL SUISSE - SGB/USS)
- Spanien (CC.OO - ELA - UGT - USO)
- Tschechische Republik (CMKOS)
- Türkei (DISK - HAK-IS - KESK - TüRK-IS)
- Ungarn (ASZSZ - ESZT - LIGA - MOSz - MSzOSz - SZEF)
- Vereinigtes Königreich (TUC)
- Zypern (SEK - TURK-SEN - DEOK)
(* Beobachter)[4]
europäische Branchenverbände
- EAEA Europäische Allianz für Kunst und Unterhaltung
- EUROCOP Dachverband europäische Polizeigewerkschaft
- EFBH Europäische Föderation der Bau- und Holzarbeiter
- EFFAT Europäische Gewerkschaftsföderation für den Landwirtschafts-, Nahrungsmittel- und Tourismussektor
- EJF Europäische Journalisten-Föderation
- EFBCE Europäische Föderation der Bergbau- Chemie- und Energiegewerkschaften
- EMB Europäischer Metallgewerkschaftsbund
- EGÖD Europäischer Gewerkschaftsverband für den öffentlichen Dienst
- ETF Europäische Transportarbeiter-Föderation
- EGBW Europäisches Gewerkschaftskomitee für Bildung und Wissenschaft
- EGV-TBL Europäischer Gewerkschaftsverband Textil, Bekleidung und Leder
- UNI-EUROPA UNI-Europa|Europäischer Gewerkschaftsverband für Dienstleistungen und Kommunikation[4]
Einzelnachweise
- ↑ Seite zum EGB auf www.dgb.de (s. Weblinks)
- ↑ Dølvik, Jon Erik: Die Spitze des Eisbergs? (s. Literatur), S. 247
- ↑ Seite des EGB zum Sekretariat
- ↑ 4,0 4,1 4,2 "Die Stimme der europäischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer" (Broschüre des EGB, s. Literatur)
- ↑ "Sevilla-Manifest"
- ↑ "Athener Manifest"
- ↑ Europäische Gewerkschaften einigen sich auf "Athener Manifest" auf http://www.dgb.de
- ↑ Daten für 1.-7. Kongress: Europäisches Gewerkschaftsinstitut, Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) (s. Literatur)
- ↑ Willy Buschak, Der Europäische Gewerkschaftsbund und die Europäischen Gewerkschaftsverbände (s. Literatur), S. 11
- ↑ Dokumente und Resolutionen des 9. Kongresses (engl.)
- ↑ Dokumente und Resolutionen des 10. Kongresses (engl.)
- ↑ Dokumente und Resolutionen des 11. Kongresses (engl.)
- ↑ 12. EGB Kongress in Athen
Quellen und weiterführende Literatur
- Willy Buschak, Der Europäische Gewerkschaftsbund und die Europäischen Gewerkschaftsverbände in: "Europäische Gewerkschaftsorganisationen - Bestände im Archiv der sozialen Demokratie und in der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung", herausgegeben für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Uwe Optenhögel, Michael Schneider, Rüdiger Zimmermann, Bonn, 2003
- Jon Eric Dølvik (1999): Die Spitze des Eisbergs? Der EGB und die Entwicklung eines Euro-Korporatismus, Münster (Westfälisches Dampfboot) 1999, 254 S.
- Die Stimme der europäischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (Broschüre des EGB)
- Europäisches Gewerkschaftsinstitut, Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB), Brüssel 1991 (online-Version)
Weblinks
EGB, ETUI
Seiten des DGB
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