Gute Arbeit
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Gute Arbeit ist ein vielfach genutzter Begriff, mit dem in der aktuellen arbeitspolitischen Debatte der Blick auf die Qualität der Arbeitsbedingungen gerichtet wird. Insbesondere bei Gewerkschaften ist der Begriff "Gute Arbeit" als Leitbild einer modernen, humanen Arbeitswelt verbreitet.
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Entstehung und Entwicklung eines Leitbilds Guter Arbeit
Das Konzept „Gute Arbeit“ knüpft an die in den 70er und 80er Jahren verfolgten arbeitspolitischen Ansätze einer "Humanisierung der Arbeit" an. "Gute Arbeit" kann zudem als ein auf das Anspruchsniveau industrialisierter Länder weiterentwickeltes Leitbild der Internatinalen Arbeitsorganisation von „Decent Work“ („anständiger Arbeit“) verstanden werden.
Als arbeitspolitisches Leitbild wurde der Begriff "Gute Arbeit" erstmals von der IG Metall Anfang der 90er Jahre in die tarifpolitische Diskussion um eine „Tarifreform 2000“ eingebracht. Nachdem die qualitative Tarifpolitik in den 90er Jahren im Zuge umfassender betrieblicher Reorganisationsmaßnahmen zu Gunsten einer Politik der Beschäftigungs- und Einkommenssicherung in den Hintergrund gerückt ist, wurde das Thema „Gute Arbeit“ erst im Jahr 2002 mit der IG-Metall-Tagung „Gute Arbeit – Menschengerechte Arbeitsgestaltung als gewerkschaftliche Zukunftsaufgabe“ in der gewerkschaftlichen Debatte wieder aufgegriffen. Ein Jahr später, im Oktober 2003, beschloss der IG-Metall-Gewerkschaftstag das Projekt „Gute Arbeit“, mit dem eine neue gewerkschaftliche Initiative für eine humane Gestaltung der Arbeitswelt und Gute Arbeit als Querschnittsaufgabe für die gewerkschaftliche Interessenvertretung befördert werden sollte[1]. Ein umfassendes Thema gewerkschaftlicher Arbeitspolitik wurde „Gute Arbeit“ erst im Jahr 2006, als beim DGB-Bundeskongress gemeinsame Anstrengungen der Mitgliedsgewerkschaften für eine „humane und gute Arbeit“ beschlossen werden[2]. Gleichzeitig wurde die Entwicklung eines jährlich erhobenen DGB-Index Gute Arbeit in die Wege geleitet.
Das gewerkschaftliche Leitbild Guter Arbeit
Mit dem Leitbild von Guter Arbeit werden verschiedene gewerkschaftliche Politikkonzepte verbunden[3]
So wird das gewerkschaftliche Leitbild von Guter Arbeit als Widerstandskonzept zur Verhinderung von schlechter Arbeit verstanden, bei dem es gilt, Widerstandslinien gegen die zunehmende Verschlechterung als gesichert geglaubter qualitativer Arbeitsstandards (wie z.B. Arbeitszeitverkürzung, Gruppenarbeit) aufzubauen und die Abwärtsspirale zu stoppen, die mit der weiten Verbreitung prekärer Beschäftigungsbedingungen in Gang gesetzt wurde und zunehmend auch bislang gute Arbeit zu erfassen droht.
Gute Arbeit gilt aber auch als Interventionschance gewerkschaftlicher und betrieblicher Interessenvertreter, die damit über ein Konzept verfügen, dass sie arbeitgeberseitigen Rationalisierungs- und Arbeitsplatzabbauvorhaben entgegensetzen können und somit in den zentralen Feldern der Gestaltung von Arbeitsbedingungen ihre betriebspolitische Handlungsfähigkeit steigern können.
Last not least wird Gute Arbeit als Zukunftskonzept einer in die Defensive geratenen gewerkschaftlicher Politik gesehen, das „die Ansprüche und Interessen der Beschäftigten an guter Arbeit stärkt und ihre soziale Phantasie auch in einer Widerstandssituation freisetzen hilft“. Das Leitbild von Guter Arbeit wurde von allen Einzelgewerkschaften und vom Deutschen Gewerkschaftsbund selbst im Rahmen seiner Initiative Trendwende übernommen und stellt seither das Zukunftskonzept gewerkschaftlicher Arbeitspolitik dar.
Gute Arbeit als Leitbild in der Politik und Gesellschaft
Im politischen Raum gewinnt das Leitbild einer guten Arbeit immer mehr an Bedeutung.
Im Mai 2002 haben sich auf Initiative der damaligen rot-grünen Bundesregierung Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Sozialversicherungsträger, Länder, Bund und Unternehmen in der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) zusammengefunden. INQA ist angetreten, um die sozialen Interessen der Beschäftigten an gesunden und gesundheitsförderlichen Arbeitsbedingungen mit den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen zu verbinden.
Die Europäische Union hat in einer Entschließung des Europäischen Rates vom Mai 2007 das Konzept von „Guter Arbeit“ in ihre Entschließung zur „Gemeinschaftsstrategie zu Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit für den Zeitraum 2007 bis 2012“ mit aufgenommen.
„Gute Arbeit“ ist das arbeitspolitisches Leitbild des neuen SPD-Grundsatzprogramms, das auf dem Bundesparteitag im Oktober 2007 beschlossen wurde.
Auch bei Kirchen und Sozialverbänden spielt Gute Arbeit als Konzept einer menschengerechten Arbeitswelt eine gewichtige Rolle.
Einzelnachweise
(vgl. dazu die Angaben unter "Quellen und weiterführende Literatur")
Quellen und weiterführende Literatur
- DGB-Bundeskongress 2006.G001: 18. DGB-Bundeskongress, Beschlossene Anträge, Sachgebiet G: Gute Arbeit, Berlin 2006, 11 S. (PDF-Datei, 0,2 MB)
- Klaus Pickshaus 2007a: Klaus Pickshaus, Stichwort: Gute Arbeit, in: Ulrich Brand u.a. (Hrsg.): ABC der Alternativen, Hamburg (VSA-Verlag) 2007, 2 S. (PDF-Datei, 25 KB)
- Klaus Pickshaus 2007b: Klaus Pickshaus, Was ist gute Arbeit? in: IG Metall Projekt Gute Arbeit (2007), Hamburg (VSA-Verlag) 2007, 16 S. (PDF-Datei, 0,3 MB)
s.a.
- Literatur und Materialien - gute Arbeit
- Ver.di-Materialien - Arbeits-/Gesundheitsschutz / Gute Arbeit
- Ver.di-Materialien - Arbeitsbedingungen aus der Sicht der Beschäftigten
Weblinks
gewerkschaftliche Dokumente
siehe:
